Der Bus kommt nicht Und käme er doch Er brächte dich nirgends hin
Schichtende, Tag geschafft Schon wird der Abend alt Im Warten in der Station In Betonwüste und Stahlsumpf
Auf der andern Seite Verlockt der Ausblick zu Traum Erinnerung an die Schönheit Zwischen den Häuserzeilen Eine Lücke, ein Blick in die Ferne
Auf einer Anhöhe das Kloster Das längst keins mehr ist Die Spitze strahlt in rotem Licht Ein Leuchtturm in der Dunkelheit Geheimnisvoll, urig, mythisch
Wie es erst aus der Nähe wirken mag Fragt man sich, ‘nen Ausflug im Sinn Nur, seien wie ehrlich, wir wissen es Aus der Nähe wär’s bloß Gemäuer Nichts weiter Es wär nur ein Gebäude wie alle sonst
Es gleicht dem Lächeln einer Frau Die dann wortlos an dir vorbei geht An der nächsten Station auszusteigen Im Jenseits ihrer Wege zu schwinden Atemberaubender Hoffnungsschimmer Doch dann zerreißt jeder Schritt Was in dir mit einem erwacht Nur, seien wir ehrlich, wir wussten es
Der Bus kommt nicht Und käme er doch Er brächte dich nirgends hin
Die Räder rollen Am späten Abend Wie so viele Tage In Gedanke, in Traum
Jenseits des Fensters Das tiefe Dunkel Schlafender Häuser Und einsamer Weiden
Nur dann und wann Ein Licht, ein Auto Eine Station, eine Ampel Ein Schlafloser im Wahn
Kaputte Sehnsucht Wie ich Am Rande balancierend Wie die Welt
Und in meinen Ohren Erzählt mir Lou Reed Von Huren und Heroin SM und Sonntagmorgen
Und in meinen Rucksack Ein Buch von William Borroughs Und in meinen Händen eines Über Ian Curtis letzte Tage
Kaputte Sehnsucht Wie ich Am Rande balancierend Wie die Welt
Die Augen rot und brennend, der Rücken schmerzend, vom Wuchten der Gewichte und Arschhinhalten, die Fäuste zerschlagen und blutig vom Graben des Auswegs, das Herz für die Außenseiter schlagend, die Verirrten, die verlorenen Seelen, die wirklich kämpfen auf der Suche nach dem, was anders wäre, lebendig, frei, erfüllend, sinnvoll, Geist, der sich nicht weg duckt vor Realität und Wahrheit, der hinschaut, auch wenn es dreckig wird, auch wenn der Alptraum sein Haupt erhebt, der sich nicht scheut, sich die Finger schmutzig zu machen, Existenz, die den Schmerz mitnimmt und ihre Endlichkeit umarmt, Ja zum Schicksal sagt und doch aufbegehrt, in der Kälte noch tiefe, stechende Atemzüge macht, bereit, die Härten hinzunehmen und zu zeigen, auf der Suche nach wirklicher Wärme und dem einen Augenblick, für den sich alles lohnt, mag er auch niemals kommen oder noch so kurz sein, einem Sein, dem das Urteil des Vorgegebenen gleichgültig ist, dieser verachtende Blick aus dem gemütlichen Ohrensessel, dieses Ereifern der virtuellen Welt, diese Heuchelei derer, die sich bewusstlos an ihren Surrogaten berauschen und betäuben, alles sonst gering schätzen. Seelenverwandtschaft, Wahlverwandtschaft mit jenen, die mehr wollen, die sich nach der Verwirklichung des Unmöglichen sehnen, mögen sie auch dabei ihren Untergang finden. Spuren ins Watt, denen man folgt, bis die Strömung kommt und ihr Sog einen davon trägt ins offene Meer. Und vielleicht. Vielleicht werden die Inseln der neuen Welt einst auf den Knochen der Ertrunkenen erbaut. Fernes Eiland, grün, weichen Sandes und steinig zugleich, felsig, im Zwielicht der Wirklichkeit, die das eine ohne sein anderes nicht kennt.
Jenseits des Fensters In der Düsternis entsteht ein Traumgespinnst von Lächeln, von Küssen Wärme, Geborgenheit Umarmung
Widersprüchlich und wach Bin ich Leer, wüst, lockend, reich Bleibt die Welt
Und die Räder rollen Am späten Abend Wie so viele Tage In Gedanke, in Traum
Manch tote Seele Haust unter junger Haut Manch frischer Geist Birgt sich hinter Falten
Niemand sieht, jeder ahnt Dem Traum folgt Erwachen Dem Anfang das Endgültige Dem Morgen des Aufbruchs Der Mittag unter den Getriebenen Dem Nachmittag der Getäuschten Der Abend, der Abend, so schnell
Zu Füßen des Plattenbaus Am Hinterausgang der Passage Neben dem wilden Sperrmüll Schnell die letzte Kippe angezündet Vor der Arbeit, im Dämmerlicht Der Frühe, die ins Ende schwindet
Geh im Licht der roten Sonne Nicht zu lange bleib, warte nicht Verbrauche dich vor der Zeit Bevor es Nacht wird, tiefe Nacht
Auf der nächsten Laterne Rastet ein Bussard, edles Tier Und verharrt Blick in Blick, wild Wie eine Erinnerung an den Flug An den Flug, der unser Ziel bleibt
Noch einmal glühen, alles geben Den Schlaf missen, ohne Rückhalt Bluten, die Hände wund schürfen Ausbrennen im Versuch Lebendig zu bleiben Im Schmerz der letzten Lust Zu finden, was verloren ward Bevor es dunkel wird, dunkel
Geh im Licht der roten Sonne Nicht zu lange bleib, warte nicht Verbrauche dich vor der Zeit Bevor es Nacht wird, tiefe Nacht
Manch Träne trägt ein Lächeln Und wird zum Aufbegehren Manch tiefere Weisheit Verlangt den Wahn des Narren
Erst so, dann so Du keimst, wächst heran In Wärme, Geborgenheit Von zweitem Herzschlag gewiegt
Und dann wird es kalt, sehr kalt Ein Ätzen und Brennen: Atem Es wird grell, blendend grell Du wirst allein für dich stehen Von nun an, dein Schrei: Erwachen Und am Ende wird es dunkel Stockdunkel
Und diese Kälte, sie bleibt Im Hintergrund, im Sonnenschein Findest du auch warme Momente Gelegentlich Ein milderes Licht Ein Lächeln und Antwort Es bleibt nur ein kleiner Bruch Nur mehr Erinnerung schließlich Schatten bloß, schnell verschwommen Schnell vergessen
Denn du stehst für dich Für dich allein Die Kälte hält dich im Griff In Gedanke und Traum Im Tun und Hasten Im Ruhen und Arbeiten Im Lieben und Scheiden
Warte nicht, bastle dir Flügel Lebe den Mythos, werde Ikarus Schwing dich auf, dem Himmel näher Bis das Wachs schmilzt Bis dein Werk Feuer fängt Breite die Arme aus und stürze Lass dich fallen, grüße die Tiefe
Schließlich ist es gleichgültig Es wird vergessen sein Ist es schon Es wird ohne Bedeutung sein War es immer Ein Unfall, ein Wahn Einer von vielen
Am Ende, in grelles Licht getaucht Hast du es versucht Die Glut des Mythos zu schüren Hast es immerhin versucht Das Unmögliche zu erstreben Du hast alles gegeben Und nur dann gelebt, nur dann Alleine für dich gestanden In der Schönheit des Aufbegehrens Der Schönheit des tiefen Falls