Donnerstag, 25. Dezember 2025

Nachschicht

 


 

Nachschicht  
 
Der Bus kommt nicht 
Und käme er doch  
Er brächte dich nirgends hin  
 
Schichtende, Tag geschafft 
Schon wird der Abend alt 
Im Warten in der Station 
In Betonwüste und Stahlsumpf 
 
Auf der andern Seite 
Verlockt der Ausblick zu Traum 
Erinnerung an die Schönheit 
Zwischen den Häuserzeilen  
Eine Lücke, ein Blick in die Ferne 
 
Auf einer Anhöhe das Kloster 
Das längst keins mehr ist 
Die Spitze strahlt in rotem Licht 
Ein Leuchtturm in der Dunkelheit 
Geheimnisvoll, urig, mythisch  
  
Wie es erst aus der Nähe wirken mag 
Fragt man sich, ‘nen Ausflug im Sinn 
Nur, seien wie ehrlich, wir wissen es 
Aus der Nähe wär’s bloß Gemäuer  
Nichts weiter 
Es wär nur ein Gebäude wie alle sonst 
 
Es gleicht dem Lächeln einer Frau 
Die dann wortlos an dir vorbei geht 
An der nächsten Station auszusteigen  
Im Jenseits ihrer Wege zu schwinden 
Atemberaubender Hoffnungsschimmer 
Doch dann zerreißt jeder Schritt  
Was in dir mit einem erwacht  
Nur, seien wir ehrlich, wir wussten es 


Der Bus kommt nicht 
Und käme er doch 
Er brächte dich nirgends hin 




Mittwoch, 10. Dezember 2025

Feierabend on the road

 

 

 

 

 

 

 


 Feierabend on the road 
 
Die Räder rollen 
Am späten Abend 
Wie so viele Tage 
In Gedanke, in Traum 
 
Jenseits des Fensters 
Das tiefe Dunkel 
Schlafender Häuser 
Und einsamer Weiden 
 
Nur dann und wann 
Ein Licht, ein Auto 
Eine Station, eine Ampel 
Ein Schlafloser im Wahn 
 
Kaputte Sehnsucht  
Wie ich 
Am Rande balancierend 
Wie die Welt 
 
Und in  meinen Ohren  
Erzählt mir Lou Reed 
Von Huren und Heroin 
SM und Sonntagmorgen  
 
Und in meinen Rucksack 
Ein Buch von William Borroughs  
Und in meinen Händen eines 
Über Ian Curtis letzte Tage 
 
Kaputte Sehnsucht  
Wie ich 
Am Rande balancierend 
Wie die Welt 
 
Die Augen rot und brennend, der Rücken schmerzend, vom Wuchten der Gewichte und Arschhinhalten, die Fäuste zerschlagen und blutig vom Graben des Auswegs, das Herz für die Außenseiter schlagend, die Verirrten, die verlorenen Seelen, die wirklich kämpfen auf der Suche nach dem, was anders wäre, lebendig, frei, erfüllend, sinnvoll, Geist, der sich nicht weg duckt vor Realität und Wahrheit, der hinschaut, auch wenn es dreckig wird, auch wenn der Alptraum sein Haupt erhebt, der sich nicht scheut, sich die Finger schmutzig zu machen, Existenz, die den Schmerz mitnimmt und ihre Endlichkeit umarmt, Ja zum Schicksal sagt und doch aufbegehrt, in der Kälte noch tiefe, stechende Atemzüge macht, bereit, die Härten hinzunehmen und zu zeigen, auf der Suche nach wirklicher Wärme und dem einen Augenblick, für den sich alles lohnt, mag er auch niemals kommen oder noch so kurz sein, einem Sein, dem das Urteil des Vorgegebenen gleichgültig ist, dieser verachtende Blick aus dem gemütlichen Ohrensessel, dieses Ereifern der virtuellen Welt, diese Heuchelei derer, die sich bewusstlos an ihren Surrogaten berauschen und betäuben, alles sonst gering schätzen. Seelenverwandtschaft, Wahlverwandtschaft mit jenen, die mehr wollen, die sich nach der Verwirklichung des Unmöglichen sehnen, mögen sie auch dabei ihren Untergang finden. Spuren ins Watt, denen man folgt, bis die Strömung kommt und ihr Sog einen davon trägt ins offene Meer. Und vielleicht. Vielleicht werden die Inseln der neuen Welt einst auf den Knochen der Ertrunkenen erbaut. Fernes Eiland, grün, weichen Sandes und steinig zugleich, felsig, im Zwielicht der Wirklichkeit, die das eine ohne sein anderes nicht kennt.  
 
Jenseits des Fensters 
In der Düsternis entsteht 
ein Traumgespinnst von 
Lächeln, von Küssen 
Wärme, Geborgenheit  
Umarmung  
 
Widersprüchlich und wach 
Bin ich 
Leer, wüst, lockend, reich 
Bleibt die Welt  
 
Und die Räder rollen 
Am späten Abend 
Wie so viele Tage 
In Gedanke, in Traum 
 
 


 


 

 

 

 

 

 

 

Montag, 8. Dezember 2025

2x27 1.0

2x27 1.0 
 
Manch tote Seele 
Haust unter junger Haut 
Manch frischer Geist 
Birgt sich hinter Falten 
 
Niemand sieht, jeder ahnt  
Dem Traum folgt Erwachen 
Dem Anfang das Endgültige 
Dem Morgen des Aufbruchs 
Der Mittag unter den Getriebenen 
Dem Nachmittag der Getäuschten 
Der Abend, der Abend, so schnell  
 
Zu Füßen des Plattenbaus  
Am Hinterausgang der Passage 
Neben dem wilden Sperrmüll 
Schnell die letzte Kippe angezündet  
Vor der Arbeit, im Dämmerlicht 
Der Frühe, die ins Ende schwindet  
 
Geh im Licht der roten Sonne 
Nicht zu lange bleib, warte nicht 
Verbrauche dich vor der Zeit 
Bevor es Nacht wird, tiefe Nacht 
 
Auf der nächsten Laterne  
Rastet ein Bussard, edles Tier 
Und verharrt Blick in Blick, wild  
Wie eine Erinnerung an den Flug 
An den Flug, der unser Ziel bleibt 
 
Noch einmal glühen, alles geben 
Den Schlaf missen, ohne Rückhalt  
Bluten, die Hände wund schürfen 
Ausbrennen im Versuch 
Lebendig zu bleiben  
Im Schmerz der letzten Lust 
Zu finden, was verloren ward 
Bevor es dunkel wird, dunkel  
 
Geh im Licht der roten Sonne 
Nicht zu lange bleib, warte nicht 
Verbrauche dich vor der Zeit 
Bevor es Nacht wird, tiefe Nacht 


Manch Träne trägt ein Lächeln 
Und wird zum Aufbegehren  
Manch tiefere Weisheit 
Verlangt den Wahn des Narren 
 
 
 


 



 


 



Mythos Rock'n'Roll


 Mythos/Rock’n’Roll  
 
Erst so, dann so 
Du keimst, wächst heran 
In Wärme, Geborgenheit  
Von zweitem Herzschlag gewiegt 
 
Und dann wird es kalt, sehr kalt 
Ein Ätzen und Brennen: Atem 
Es wird grell, blendend grell 
Du wirst allein für dich stehen 
Von nun an, dein Schrei: Erwachen  
Und am Ende wird es dunkel 
 Stockdunkel  
 
Und diese Kälte, sie bleibt 
Im Hintergrund, im Sonnenschein 
Findest du auch warme Momente  
Gelegentlich 
Ein milderes Licht 
Ein Lächeln und Antwort  
Es bleibt nur ein kleiner Bruch  
Nur mehr Erinnerung schließlich  
Schatten bloß, schnell verschwommen 
Schnell vergessen 

Denn du stehst für dich 
Für dich allein 
Die Kälte hält dich im Griff 
In Gedanke und Traum 
Im Tun und Hasten 
Im Ruhen und Arbeiten  
Im Lieben und Scheiden 
 
Warte nicht, bastle dir Flügel 
Lebe den Mythos, werde Ikarus 
Schwing dich auf, dem Himmel näher 
Bis das Wachs schmilzt  
Bis dein Werk Feuer fängt 
Breite die Arme aus und stürze 
Lass dich fallen, grüße die Tiefe 

Schließlich ist es gleichgültig 
Es wird vergessen sein 
Ist es schon 
Es wird ohne Bedeutung sein  
War es immer 
Ein Unfall, ein Wahn 
Einer von vielen 
 
Am Ende, in grelles Licht getaucht  
Hast du es versucht 
Die Glut des Mythos zu schüren 
Hast es immerhin versucht  
Das Unmögliche zu erstreben 
Du hast alles gegeben  
Und nur dann gelebt, nur dann 
Alleine für dich gestanden  
In der Schönheit des Aufbegehrens 
Der Schönheit des tiefen Falls